Neu: Expertengespräch mit Prof. Ebert! 

Steigende Ketone –
Die Gefahr, die Ihre 
Patient:innen oft nicht erkennen.​

Symptome wie Übelkeit und Bauchschmerzen 
wirken oft harmlos – doch hinter ihnen
kann sich bei Menschen mit Diabetes ein
rasch eskalierendes Risiko verbergen. 1–3

Eine junge Frau mit Kaffeebecher in der Hand und besorgtem Blick an einem Bahnsteig. Neben ihr bauen sich Ketonverbingungen in bedrohlicher Weise auf.
Eine junge Frau mit Kaffeebecher in der Hand und besorgtem Blick an einem Bahnsteig. Neben ihr bauen sich Ketonverbingungen in bedrohlicher Weise auf.
Eine junge Frau mit Kaffeebecher in der Hand und besorgtem Blick an einem Bahnsteig. Neben ihr bauen sich Ketonverbingungen in bedrohlicher Weise auf.

Diabetische Ketoazidose – das Wichtigste in Kürze

Innerhalb weniger Stunden kann sich aus ansteigenden Ketonkörperkonzentrationen eine diabetische Ketoazidose (DKA) entwickeln.​1–3​ Sie gehört über alle Diabetesformen hinweg zu den häufigsten akuten hyperglykämischen Notfallsituationen im Diabetesmanagement.​​​1,2 ​​​Da die frühen klinischen Symptome unspezifisch sind und Ketonanstiege in der Routineversorgung nur selten erfasst werden, werden die ersten Anzeichen häufig übersehen oder fehlinterpretiert.​​4–6​ So wird eine drohende DKA zur lauernden Gefahr für Ihre Patient:innen.

DKA – Fakten im Überblick

DKA ist die häufigste Todesursache bei Kindern und Erwachsenen mit Diabetes unter 58 Jahren.2

der jährlichen Hospitalisierungsrate aufgrund von akuten Diabetes-ereignissen (ADE) sind bei Typ-1-Diabetes (T1D) und über 63 % bei Typ-2-Diabetes (T2D) auf DKA zurückzuführen vs. 13 % bzw. 26 % auf Hypoglykämie.​​7​

der Menschen mit T1D werden innerhalb von 30 Tagen nach erster Hospitalisierung aufgrund einer DKA erneut hospitalisiert, 64,8 % davon wiederholt wegen einer DKA.8

Ursachen einer DKA sind vielfältig

Bestimmte Risikosituationen können eine Ketonmessung erforderlich machen. Eine DKA kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:1,9,10

Ausgelassene/ unzureichende Insulindosen

Medikamente (z. B. SGLT2-Inhibitoren)

Stress

Infektionen oder akute Erkrankungen 

Erkennen: DKA-Risiken einordnen

Die Zahlen zeigen, wie relevant die DKA als potenziell lebensbedrohliche Akutkomplikation ist.1,2  Entscheidend ist die frühe Phase, in der die Ketonkörperkonzentration steigt. Warum das klinisch so relevant ist und weshalb Warnzeichen einer DKA im Alltag oft zu spät erkannt werden, erklärt Prof. Dr. Thomas Ebert, Endokrinologe und Diabetologe am Universitätsklinikum Leipzig.

DKA-Risiken im Expertengespräch

Frühe Warnzeichen, klinische Zusammenhänge und relevante Risikosituationen praxisnah eingeordnet.

Fehlendes Bewusstsein über Symptome

Viele Menschen mit Diabetes sind unzureichend auf einen DKA-Notfall vorbereitet, da ihnen das Verständnis für die Erkrankung, die Symptome und die Relevanz der Überprüfung des Ketonspiegels fehlt.​5,6​

Eine Umfrage bei Menschen mit T1D in endokrinologischen Ambulanzen bestätigt:​5,11

kennen den Begriff DKA nicht.

können kein einziges Symptom benennen.

messen ihre Ketone nie.

Prüfen: Unzureichende Ketonmessung

Da die frühen Symptome häufig unspezifisch sind, werden erste Anzeichen wie Übelkeit oder Erbrechen oft fehlinterpretiert.4–6​ Dadurch wird eine Ketonmessung in definierten Risikosituationen häufig nicht rechtzeitig durchgeführt.5,6

Ketonmessung im Expertengespräch

Wann Ketone geprüft werden sollten und warum Glukosewerte allein nicht immer ausreichen.

Eine Umfrage bei Menschen mit T1D zeigte:​6,12

messen nicht bei Übelkeit oder Erbrechen, 45 % messen auch nicht bei Fieber.

führen keine regelmäßigen Ketonmessungen durch, wenn der Glukosespiegel für 1 Stunde oder länger über 300 mg/dL liegt.​

haben keine Ausstattung für Ketonmessungen zu Hause.

Auch in der Versorgung von Menschen mit Diabetes ist die Ketontestung nicht routinemäßig verankert, obwohl Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)​13 und des Centers for Disease Control and Prevention (CDC)​3​  existieren.​

Empfehlungen zur Messung von Ketonen

  • DDG: Schulung von Menschen mit T1D im Umgang mit Teststreifen zur Ketonmessung im Blut oder Urin, sowie der Interpretation der Messwerte​​.13

  • CDC: Bei Hyperglykämie >240 mg/dL oder Krankheit alle 4−6 Stunden.​3​​ 

  • STOP DKA Protokoll: Bei T1D und Einnahme von SGLT-Inhibitoren sowie Symptomen einer DKA auch bei normalen Blutglukosewerten alle 2−4 Stunden.​​14

Die Bedeutung einer frühzeitigen Detektion von steigenden Ketonen wird insbesondere im therapeutischen Kontext deutlich, da die Behandlung einer DKA individuell an Patient:innen, ihr Vorrisiko und auslösende Faktoren angepasst erfolgen muss.​1,2,9

Weiterführende Inhalte

Vertiefen Sie Ihr Wissen rund um Ketone und DKA – mit praxisnahen Materialien für den Versorgungsalltag und weiterführenden Fortbildungsangeboten.

Welche Rolle spielen Ketone im Stoffwechsel und wie entsteht eine DKA?
In der FreeStyle Akademie finden Sie zertifizierte Fortbildungsangebote zum Thema „Ketone & Diabetes“.

Welche Patient:innen haben ein erhöhtes DKA-Risiko?
Unsere Broschüre bietet einen Überblick über relevante Patientengruppen und erläutert, weshalb die Aufklärung über steigende Ketone und DKA für diese besonders wichtig ist.

Fragen und Antworten

Was sind frühe Symptome steigender Ketone?

Frühe Symptome steigender Ketone umfassen:​15

  • Durst oder sehr trockener Mund


  • Häufiges Wasserlassen


  • Hoher Blutglukosespiegel


  • Hoher Ketonspiegel im Urin

Was sind spätere Symptome steigender Ketone, die auf die Entwicklung einer DKA hinweisen können?

Spätere Symptome steigender Ketone, die auf die Entwicklung einer DKA hinweisen können, umfassen:​15

  • Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen

  • Ständige Müdigkeit/Erschöpfung

  • Trockene oder gerötete Haut

  • Atembeschwerden

  • Nach Azeton riechender Atem

  • Verwirrtheit oder Konzentrationsschwierigkeiten

Bei welchen Patientengruppen ist das Risiko für eine DKA besonders hoch?

Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei:

  • Vorangegangenen hyper- oder hypoglykämischen Krisen​1​

  • Jungem Alter1

  • Erhöhtem HbA1c1

  • Psychosozialen Belastungen (z. B. Depressionen)​1​

  • Therapie mit SGLT2-Inhibitoren​1,16

  • Schwangerschaft​17

  • Akuten Belastungssituationen (z. B. Infektionen)​1,9

Welche Faktoren begünstigen wiederkehrende DKA-Episoden?

Insbesondere vorangegangene DKA, psychosoziale Belastungen sowie ein eingeschränktes Krankheitsverständnis begünstigen wiederkehrende DKA-Episoden. Ein engmaschiges Monitoring und individuell definierte Sick-Day-Regeln, können erneute Episoden reduzieren.​1,8,9

Sind diabetische Ketoazidosen immer mit Hyperglykämie assoziiert?

Gemäß der DDG-Praxisempfehlung ist die diabetische Ketoazidose biochemisch definiert durch:​10

  • Blutglukose >250 mg/dL (13,9 mmol/L) und

  • Ketonämie und/oder

  • Ketonurie arteriellen pH <7,35 oder

  • Venösen pH <7,3-Serum-Bikarbonat <270 mg/dL (15 mmol/L) 

Doch die Ketonakkumulation folgt nicht immer dem Glukoseverlauf: Bei der euglykämischen 
Ketoazidose (EKA) sind Ketonkörper im Blut und Urin zwar erhöht, aber ohne das Vorhandensein einer ausgeprägten Hyperglykämie. Insbesondere Patient:innen unter SGLT2-Inhibitoren 
sind häufig von EKA betroffen.​1​

Warum genügt die kontinuierliche Glukosemessung zur Vorbeugung einer DKA nicht?

Ketonkörper im Blut können unabhängig vom Glukoseverlauf steigen.
Verschiedene Faktoren können einen Anstieg der Ketone ohne gleichzeitige Hyperglykämie  begünstigen, darunter reduzierte Nahrungsaufnahme, Schwangerschaft, Alkohol- oder Lebererkrankungen sowie insbesondere die Therapie mit SGLT2-Inhibitoren.​1​ Daher genügt die alleinige Glukosemessung nicht aus, um steigende Ketone zuverlässig zu erkennen. 

Referenzen

  1. ​Umpierrez, G.E. et al. Diabetes Care. 2024; 47(8):1257–1275.
  2. Nguyen, K.T. et al. J Diabetes Sci Technol. 2022; 16(3):689–715.
  3. Centers for Disease Control and Prevention. https://www.cdc.gov/diabetes/about/diabetic-ketoacidosis.html. Zugegriffen: 02. Dezember 2025
  4. Virdi, N. et al. Diabetes Technol Ther. 2023; 25(S3):S75-S84.
  5. Hepprich, M. et al. BMJ Open Diabetes Res Care. 2023; 11(6):e003662.
  6. Albanese-O'Neill, A. et al. Diabetes Care. 2017; 40(4):e38-e39.
  7. Riveline, J.-P. et al. Diabetes Technol Ther. 2022; 24(9):611–618.
  8. Shaka, H. et al. J Clin Endocrinol Metab. 2021; 106(9):2592–2599.
  9. Lizzo, J. M. StatPearls (2024). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK560723.
  10. Haak, T. Diabetol Stoffwechs. 2024; 19:S155–S166.
  11. Basierend auf einer multizentrischen Befragung von 333 Patient:innen im Alter von mindestens 16 Jahren in Diabeteszentren in der Schweiz und Deutschland zwischen Januar und Juni 2021 (T1D seit durchschnittlich 22 Jahren).
  12. Basierend auf einem Fragebogen, der von 2.995 Teilnehmern im Alter von 4 bis 12 Jahren und 18 bis 89 Jahren ausgefüllt wurde.
  13. Deutsche Diabetes Gesellschaft. S3-Leitlinie. Therapie des Typ-1-Diabetes. 2023. https://www.ddg.info/behandlung-leitlinien/leitlinien-praxisempfehlungen. Zugegriffen: 02. Dezember 2025
  14. Goldenberg, R.M. et al. Diabetes Obes Metab. 2019; 21(10):2192–2202.
  15. American Diabetes Association. https://diabetes.org/about-diabetes/complications/ketoacidosis-dka/dka-ketoacidosis-ketones. Zugegriffen: 05. Januar 2025
  16. Wang, S. et al. J Clin Endocrinol Metab. 2025; 110(7):2071–2081.
  17. Guo, R.-X. et al. J Obstet Gynaecol Res. 2008; 34(3):324–330. 

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